Artikel mit dem Tag Gründung

“Es ist oft effektiver sein Sicherheitbedürfnis zu reduzieren als die Unsicherheit.”

David Haas David Haas ist Mitgründer vom Münserer Unternehmen “buildUP”, das die Schülernachhilfe vollkommen neu konzeptionert hat. Da David gerade mal 24 ist und eigentlich noch voll im Jurastudium steckt, wurde vor kurzem sogar die Wirtschaftswoche neugierig, durch die ich auf David aufmerksam geworden bin. Im Folgenden ein kleines Interview mit dem Jungunternehmer über seine Gründungserfahrungen, sein Zeitmanagement und seine Tipps für uns…


Martin: David, man sagt, Unternehmer sollen aus ihren Fehlern lernen. Und keiner will Fehler zweimal machen. Also, ich bin neugierig: Was sind deine zwei größten Fehler/ Lerneffekte aus dem bisherigen Gründungsprozess?

  • Klein anfangen: Lieber von der geplanten Dienstleitung / dem geplanten Produkt erst einmal einen selbständig angebotsfähigen Teil ausarbeiten und damit am Markt beginnen. Das wurde mir aus dem bisherigen Prozess deutlich.
  • Gesund wachsen: Die Gefahr ist, das einem die Dinge über den Kopf wachsen, vor allem wenn das Alltagsgeschäft anläuft. Ich denke es ist besser erst einmal die Baustellen zu schließen die bestehen und das Alltagsgeschäft auf ein gewisses qualitatives Niveau zu heben, bevor man neue Schritte geht. Anderenfalls laufen drei, vier Projekte parallel und man wird den Ansprüchen nicht gerecht. An diesem Punkt stehen wir gerade.


Martin: Dennoch hat so ein Gründungsprozess viele Unbekannte und Variablen. Wie reduziert Ihr die Unsicherheit?

Ich versuche eine Entscheidung immer in alle wesentlichen Komponenten zu zerlegen. Das reduziert Komplexität. Ob das die Unsicherheit reduziert, ist eine andere Frage. Wir Menschen möchten die Dinge um uns herum unter Kontrolle haben und uns „sicher“ fühlen. Viele Unsicherheiten lassen sich aber – vorallem in einer Gründung – nicht kontrollieren. Daher ist es aus meiner SIcht oft effektiver sein Sicherheitbedürfnis zu reduzieren als die Unsicherheit.



Martin: Okay, klingt spannend. Nun noch einmal zurück zum Ausgangspunkt: Du bist Jura-Student mit sehr guten Noten und hast nun mit deinem Bruder ein Unternehmen gegründet. Mit 24 Jahren! Du hättest doch super Chancen in eine Top-Kanzlei zu gehen. Warum dieses Risiko?

Während eines Auslandsaufenthaltes in China habe ich mir bewusst genommen,  nachzudenken was ich wirklich im Leben machen will. Was sind die Dinge die mich begeistern? Welchen Weg würde ich wählen, wenn ich wüsste ich könnte nicht scheitern?

Dabei habe ich gemerkt, dass mich die Arbeit mit Jugendlichen begeistert. Da Dinge organisieren, leiten und „etwas“ aufbauen mir Freude bereitet, lag die Gründung eines eigenen Unternehmens nicht fern.

Zum Risiko: Wenn man weiß, was man wirklich machen will sind die Risiken nebensächlich. Umgedreht haben Risiken auch einen gewissen Reiz.

 

Martin: Als angehender Jurist muss man enorm viel lernen. Du hast noch das Unternehmen und gibst viele Seminare. Wie schaffst Du es, das alles unter einen Hut zu bekommen?

Ich habe ca. 60h pro Woche, die ich verplanen kann. Zuerst wird das reingepackt, was die höchste Priorität hat. 4-8h bleiben zurzeit für das Jurastudium übrig. Wenn ich pro Woche nur 4-8h für mein Studium Zeit habe ist die nächste Frage „Was davon ist das absolut Wichtigste?“ In einer Klausurenphase verschieben sich aber die Prioritäten ganz klar.

 

Martin: Sehr interessant. Was sind denn für dich deine persönlich zwei wichtigsten Zeitmanagement-Tipps/ Prinzipien die Du auch tatsächlich anwendest?

  1. Ich glaube die Priorisierung wie beschrieben, zwingt mich zur “20:80 Regel”. Ich versuche mich immer wieder zu fragen: Was sind die 20%, die ausreichen um 80% des Ergebnisses zu erzielen? Und: Wo investiere ich zuviel Zeit, nur um die letzten 20% Perfektionismus zu erzwingen, die aber kaum einen Einfluss auf meinen Erfolg haben.? (–> siehe auch Regel 26, Golden Rules)
  2. Konsequent sich Zeit für die wichtigen, nicht dringenden Dinge zu nehmen (Bspw. Sport, Familie & Freunde, strategischer Ausblick im Unternehmen). Es ein riesengroßer Unterschied, ob ich aus einer Ausgeglichenheit heraus fokussiert meinen Alltag bestimme oder aber den permanent dringlichen Dingen hinterherlaufe. (–> siehe auch Regel 22, Golden Rules)


Martin: Noch ein Stichwort liegt in der Luft: Multitasking. Wie schaffst du es, dich beim Lernen aufs Lernen und beim Arbeiten aufs Arbeiten zu konzentrieren?

Anfangs war das nicht einfach. Während ich gerade Erbrecht gelernt habe, kam der Gedanke „Oh, du musst heute unbedingt noch die Seminartermine klären.“. Ich habe meine Gedanken aufgeschrieben. Eine große Erleichterung ist es, die Punkte einfach auf dem Tagesplan zu vermerken. Im Zeitfenster von 20-22Uhr ist genügend Zeit für diese „noch zu tun“ Aufgaben. Das schafft Ordnung im Denken.


Martin: Hast du noch einen letzten Appell / ein Motto für Unternehmensgründer?

Machen! Ansonsten noch ein Zitat von Steve Jobs: „You are already naked. There is no reason not to follow your heart. You’ve got to find what you love!“

Martin: Danke vielmals für das Interview und viel Erfolg bei Eurem StartUP… ;)


Über buildUP: Dem Namen entsprechend ist es das Kernanliegen von build.UP „Schüler für das spätere Leben aufzubauen“. Dieser Aufbauprozess beinhaltet zwei Bausteine: Erstens, Schülern durch innovative Nachhilfe dabei zu helfen, die Herausforderungen auf ihrem Ausbildungsweg zu meistern (set.UP) und sie darüber hinaus zu unterstützen, ihr eigenes Potenzial zu entdecken und zu entwickeln (live.UP). build.UP ist seit Anfang 2010 in Münster am Markt tätig. Weitere Infos gibt es unter www.build-up.de <http://www.build-up.de> .








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